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3D-Printing: Was uns das Jahr 2019 bringt

3D-Printing: Das Thema Qualität und Standardisierung wird immer mehr gefordert.
Bild: EOS

Die «Technische Rundschau» hat Schweizer 3D-Printing-Experten befragt, welche Neuentwicklungen entscheidend sind, um die Branche weiter voranzubringen und welche Schritte folgen müssen, um die Technologie erfolgreich zu industralisieren.

 

Additive Manufacturing (AM), auch 3D-Printing genannt, hat im vergangenen Jahr teils markante Entwicklungen durchlaufen. Welche das sind, erklären Experten aus den Bereichen Metall, Kunststoff, Medtech, Standardisierung und Markt in der Umfrage der «Technischen Rundschau»

Adriaan B. Spierings, forscht in der Inspire AG an der AM-Prozesskette für das SLM-Verfahren: «AM entwickelt sich rasch, jedoch eher evolutionär als revolutionär. Wesentlich scheint mir, dass Qualitätsfragen zunehmend ins Zentrum der Entwicklung rücken, sowohl in der Forschung und immer mehr auch bei den Anlagenherstellern. Entscheidend ist zudem, dass diese Thematik auch von Normierungsseite aufgegriffen wird.»

Christian Leinenbach ist an der Empa an den Standorten Dübendorf und Thun Leiter Materialentwicklung für AM (Metalle):«Diverse Forschungsinstitute haben neue Maschinenkonzepte vorgestellt, mit denen die Bauraten in Zukunft deutlich erhöht werden könnten. Das kann die additive Fertigung von komplexen Bauteilen in kürzerer Zeit oder die Herstellung grösserer Bauteile als bisher mit gleichzeitig höherer Genauigkeit ermöglichen. Eines dieser Konzepte basiert auf der Konsolidierung einer gesamten Bauteilschicht «auf einmal» mittels einer Laser-Maskenprojektion anstatt des rasterartigen Aufschmelzens mit einem punktförmigen Laser. Das beschleunigt den Aufbau. Ein anderes Konzept ist es, ein ganzes Array von kostengünstigen, einzeln ansteuerbaren Diodenlasern ähnlich wie bei einem Flachbettscanner über ein Metallpulverbett zu führen und jeweils nur das unter dem Diodenarray befindliche Pulver zu konsolidieren.»

Manfred Schmid ist Leiter der Abteilung F&E Polymer/Keramik bei der Inspire AG: «Ich würde mir für die pulverbettbasierten Verfahren wünschen: Materialien, Materialien, Materialien. Dann sind aber auch Entwicklungen hin zur weiteren Automatisierung von allen AM-Prozessen und zur prozessbegleitenden Qualitätssicherung wünschenswert und dringend.»

Ralf Schumacher ist Leiter MDSS (Mimedis Digital Surgical Solutions) im Medtech-Unternehmen Medartis AG: «Aus Sicht der Industrie wünscht man sich, dass sich auch die AM-Systemanbieter den geforderten Bedürfnissen anpassen. Lange Zeit waren diese als «Innovatoren» tätig, indem sie immer wieder zeigten, welche tollen Bauteile in den verschiedenen Industriebereichen gefertigt werden können. Das war auch gut so, aber nur solange es darum ging, die Aufmerksamkeit am Markt zu erhalten. Für die Konsolidierung wünschte ich mir Anlagenhersteller, die als «Integratoren» tätig sind, und ihre Prozesse und Dokumentation soweit beherrschen, dass diese ohne grossen Aufwand in die Prozesse der Firmen integriert werden können. Gerade im regulierten Umfeld der Medizintechnik erstaunt es immer wieder, wie wenig Verständnis die Anlagenhersteller für regulatorische Anforderungen aufbringen.»

Matthias Baldinger ist Projektleiter beim ETH-Spin-off Additively und Geschäftsführer von Industry+: «Qualitätssicherung und Nachbearbeitung sind zwei Themen, die elementar sind, wenn AM in der Serie erfolgreich eingesetzt werden soll, denn Bauteile kommen fast nie «fertig» aus dem 3D-Drucker. Die Herausforderungen in diesem Themenfeld bestehen seit Jahren – nun gibt es aber immer mehr professionelle Angebote und Lösungen hierzu. Als eines unter vielen Beispielen kann man die neuen Zertifizierungen für AM-Auftragsfertiger vom TÜV Süd nennen.»

Die vollständige Umfrage können Sie in der Märzausgabe der «Technischen Rundschau» (TR 3/19) nachlesen.

 

 

 

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Autor

Markus Schmid