chevron_left
chevron_right

Künstliche Intelligenz: Freund oder Feind der Cybersicherheit?

Tyler Reese, Produktmanager beim Software-Anbieter "One Identity", sieht Vor- und Nachteile bei den sich selbst entwickelnden Systemen.

"Technologien, die auf künstlicher Intelligenz basieren, sind inzwischen weit verbreitet und für hunderttausende IT-Sicherheitsexperten auf der ganzen Welt zugänglich. Forscher müssen dank künstlicher Intelligenz nicht mehr am Computer Unmengen von Zahlen und Daten analysieren. Der Siegeszug der KI hat einige Gründe. Einer davon ist die zur Verfügung stehende Rechenleistung. Wirtschaftliche Cloud-Lösungen und bedienerfreundliche Tools haben ebenfalls dazu beigetragen ausgereiftes maschinelles Lernen und Algorithmen, die auf künstlicher Intelligenz beruhen, einem breiten Kreis von Anwendern zugänglich zu machen. Etwa zur selben Zeit haben Unternehmen und Anbieter von Sicherheitslösungen festgestellt wie schwierig es geworden ist sich vor den Auswirkungen von Cyberkriminalität zu schützen. Kriminelle finden ständig neue Wege sich in vermeintlich gut gesicherte Umgebungen einzuschleusen ohne entdeckt zu werden. IT-Teams sind ununterbrochen damit beschäftigt Updates einzuspielen sowie Sicherheitslösungen und Richtlinien zu verwalten. In einer derart unbeständigen Bedrohungslandschaft wie wir sie heute kennen ist das nicht nur ein ziemlich kostspieliges Unterfangen. Es ist auch eine unbefriedigende und wenig nachhaltige Herangehensweise.

Die meisten der auf KI und maschinellem Lernen basierenden Lösungen verfügen über selbst-adaptive Fähigkeiten und benötigen nur wenige Anpassungen bei geringem Verwaltungsaufwand. Das spart nicht zuletzt auch Kosten. (...) Wenn IT-Sicherheitsabteilungen KI-basierte Technologien in ihre tägliche Routine und die laufenden Geschäftsprozesse mit einbeziehen, sind sie durchaus in der Lage, Angreifern einen Schritt voraus zu sein.(...)

KI schafft es, differenziertere Entscheidungen zu treffen als wir es gewöhnt sind. Die Frage ist nicht länger, ob etwas erlaubt ist oder nicht, oder ob eine Aktivität als schädlich oder harmlos einzustufen ist. Wir betreten jetzt eine Welt, in der Maschinen Wahrscheinlichkeiten und Ergebnisse berechnen. Viele betrachten das als einen fremdartigen, wenn nicht gar erschreckenden Ansatz in der Cybersicherheit. Es herrscht nach wie vor einiges an Verwirrung darüber wie KI arbeitet und wie sie im Gegensatz zum menschlichen Verstand zu einem Ergebnis oder einer Schlussfolgerung gelangt.

Um die besten Ergebnisse zu erzielen folgt der Algorithmus einem Prozess, der in vielen Fällen kaum zu erklären oder wirklich zu begreifen ist. Wenn eine KI-basierte Technologie zu dem Schluss kommt, dass gerade ein Angriff stattfindet, wird sie die nötigen Verteidigungsmaßnahmen ergreifen.(...)

KI lernt und merkt sich, wie Menschen Entscheidungen treffen oder optimiert einzelne Parameter um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Allerdings kommt es durchaus vor, dass sich die Resultate nicht unbedingt mit den Erwartungen decken.

Betrachtet man die auf künstlicher Intelligenz basierenden Algorithmen aus einer eher naiven Perspektive, ist KI geeignet, sämtliche der gängigen Vorurteile zu bestätigen. Beispielsweise Systeme zu erschaffen, die sich gegen Menschen richten oder die Entscheidungen treffen, die Menschen als unethisch betrachten würden.

Künstliche Intelligenz gehört ganz sicher zu den Waffen, die zweifelsohne einen wichtigen Platz im IT-Verteidigungsarsenal besetzen werden. Wenn es beispielsweise um Zugriffsberechtigungen, Zugriffskontroll- oder Monitoring-Systeme geht, haben KI-basierte Applikationen bereits jetzt in die IT-Sicherheitskonzepte großer Unternehmen Eingang gefunden. KI wird zweifelsohne das Risiko interner und externer Bedrohungen senken. Menschliche Tätigkeitsbereiche werden aber ihren Platz innerhalb einer effektiven IT-Sicherheit weiterhin behalten. Das grundsätzliche Ziel der künstlichen Intelligenz ist es nicht den Menschen zu ersetzen. Vielmehr soll sie ihm erlauben, die ohnehin knappen Ressourcen dort einzusetzen wo sie dringender gebraucht werden.

Die besten KI-basierten Tools befreien uns von lästigen, untergeordneten Aufgaben und unterstützen uns bei der Lösung drängender Probleme. Allerdings sollten Firmen beim Einsatz dieser Tools nicht vergessen, dass es sich lediglich um Mittel zum Zweck handelt. Kein Unternehmen wird umhin kommen Ziele zu definieren und danach die Technologien und Werkzeuge auszusuchen, mit denen sich diese Ziele aller Wahrscheinlichkeit nach am besten erreichen lassen. KI zu nutzen um Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für andere, komplexere Aufgaben freizuschaufeln ist ein enormer Vorteil dieser Technologien. Unternehmen, die sie einsetzen, werden davon profitieren. Und es gibt noch einen weiteren Bereich für den künstliche Intelligenz wichtig ist. Eine KI-basierte Analyse des Verhaltens lässt sich beispielsweise benutzen um (potenziell auffällige) Veränderungen in den Arbeitsgewohnheiten zu erkennen und Sicherheitsabteilungen unmittelbar, also in Echtzeit, über diese Befunde zu informieren.

Künstliche Intelligenz ist wohl schon jetzt eine der vorherrschenden Technologien in der Cybersicherheit. (...) Sicherheitsteams werden  mit ihren Bemühungen nicht nachlassen und naturgemäß versuchen, den Angreifern einen Schritt voraus zu sein. Will man diesen Wettkampf mittelfristig nicht verlieren, ist KI ein guter Anfang".

Teilen