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Schneller Après-Ski im Hard Rock Tunnel

Die TBM-Lösung kommt bekanntlich mit nur einem zentralen Angriffspunkt aus.
Herrenknecht

Endlich auch in Skandinavien: Bohren statt sprengen - in ausgesprochen hartem Gneis. Die Röhrenspezialisten von Herrenknecht aus Lahr feiern medienwirksam den finalen Doppeldurchbruch an der norwegischen Follo Line zwischen Oslo und dem 22 Kilometer entfernten Ort Ski.

Beim Bau des längsten Eisenbahntunnels Norwegens wurde (zumindest für skandinavische Verhältnisse...)  ein Meilenstein für die maschinelle Vortriebstechnologie im Hard Rock Tunnelling gesetzt. Bislang wurden lange Eisenbahntunnel im hohen Norden traditionell im Sprengbetrieb vorangetrieben. Beim Follo Line Projekt überzeugt Maschinentechnik nun selbst im extrem harten norwegischen Fels auf ganzer Linie. Vier Tunnelbohrmaschinen (TBM) von Herrenknecht fuhren gleichzeitig zwischen Oslo und Ski zwei rund 20 Kilometer lange Eisenbahntunnel auf. Der finale Doppeldurchbruch der Doppelschild-TBM «Anna» und «Magda» am 26. Februar 2019 beendete die taffe Mission erfolgreich und spektakulär. Die ersten beiden Herrenknecht-TBM «Queen Eufemia» und «Queen Ellisiv» hatten ihr Ziel bereits am 11. September 2018 im gegenüberliegenden Oslo erreicht.

Lautstark feierten die Mineure und 350 geladene Gäste den Moment, als die Schwestermaschinen am Nachmittag des 26. Februar 2019 nach je rund neun Kilometern im norwegischen Hartgestein die letzten Zentimeter Fels mit höchster Präzision knackten. Seit Herbst 2016 hatten sich «Anna» und «Magda» durch extrem harten norwegischen Gneis gebissen. Im Land des bisher vom konventionell en Sprengvortrieb dominierten Tunnelbaus stellt der erfolgreiche Projektabschluss einen wichtigen Meilenstein für die maschinelle Vortriebstechnik dar.

«Wenn wir zukunftsfähig bleiben wollen, dürfen wir nicht einfach sagen: Wir machen es so, wie wir es immer schon gemacht haben», erläutert Anne Kathrine Kalager, Projektleiterin von Bauherr Bane NOR. «Wir müssen immer weiter nach den besten Methoden suchen – und es hat sich herausgestellt, dass TBM in diesem Projekt entscheidende Vorteile haben.» Per «Drill & Blast» hätte es insgesamt sieben, für den Lastverkehr teils schwer zugängliche Baustellen in der Metropolregion gebraucht, womit eine grosse Belastung für Verkehr und Anwohner einhergegangen wäre. Die TBM-Lösung kommt bekanntlich mit nur einem zentralen Angriffspunkt aus. Ab Ende 2022 sollen Schnellzüge mit bis zu 250 Stundenkilometern durch die zwei neuen Tunnelröhren fahren. Die Fahrzeit zwischen Oslo und der 22 Kilometer südlich gelegenen Gemeinde Ski wird sich von 22 auf elf Minuten reduzieren. Für die norwegische Hauptstadt mit ihren 600.000 Einwohnern und die Region rund um Ski, die ein Bevölkerungswachstum von 30 Prozent bis 2025 erwartet, ist die Follo Line eine Lebensader der Zukunft.

Der Vortrieb steht und fällt mit der Güte der Schneidrollen. Die Cutter Disken aus Spezialstahl, 19 Zoll im Durchmesser und jede bis zu 372 Kilogramm schwer, werden mit bis zu 32 Tonnen Druck gegen den extrem abrasiven Fels gedrückt. «Der Verschleiss der Schneidrollen war enorm», betont Matthias Flora, Hartgesteinsexperte bei Herrenknecht. Bis zu 50 Herrenknecht-Cutterexperten bereiteten in Schwanau über die gesamte Projektlaufzeit in Summe knapp 8.000 abgenutzte Schneidrollen der vier Maschinen professionell für den Wiedereinsatz in Norwegen auf. «In enger Abstimmung mit dem Kunden haben wir uns immer weiter an die optimalen Parameter für die Schneidrollen für dieses Projekt herangetastet», erläutert Flora die besonderen Projektherausforderungen.