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Bosch will ab 2020 CO2-neutral sein

Gefeiert werden auch Errungenschaften, wie die stromlose Kühlbox von "Mama Nyandori", die den alten Trick mit der "doppelten Wand" nutzt.


Kisumu ist die drittgrößte Stadt Kenias, mehr als 320 000 Menschen leben dort. Viele von ihnen besuchen täglich den Jubilee Market im Stadtzentrum und decken sich mit Lebensmitteln ein. Mary Achieng Mbula (50), Lebensmittelhändlerin, wurde von ihren Kollegen zur Chair Lady gewählt. Als Chefin des Jubilee Markets wird sie ehrfürchtig „Mama Nyandori“ gerufen, die „Frau aus Ndori“. Die Markthändler haben keine Kühlschränke, um ihre schnell verderbende Ware vor der Hitze zu schützen. Was nicht verkauft wird, landet deshalb oft verdorrt oder verfault im Müll. Das ist nicht nur ein finanzieller Verlust für die Verkäufer, sondern vor allem eine ärgerliche Verschwendung von Lebensmitteln. Mama Nyandori litt lange genug unter diesem Problem. Aber jetzt steht die "Frau Vorsitzende" an ihrem Stand und sagt: „Ich habe die Lösung gefunden“. Dabei deutet sie auf eine blaue Kiste neben sich – die FreshBox. Eine Kühlbox, die ohne Strom, Eis oder Kühlakkus funktioniert und eine simple wie geniale Kühltechnik in sich birgt. Das System der blauen Box basiert auf einem uralten Prinzip. Schon vor Jahrhunderten machten sich die Bewohner von Regionen mit trockener Hitze den Kühleffekt zunutze, der beim Verdunsten von Wasser entsteht: Sie gossen Flüssigkeit zwischen die Doppelwände von Tongefäßen, in denen sie ihre Nahrung aufbewahrten. Die FreshBox ist aus leichtem Kunststoff statt aus Ton, und ihre Zwischenwand ist mit einer Textilschicht verkleidet. Knapp eineinhalb Liter müssen zum Verdunsten eingefüllt werden. Das Ergebnis: Nach kurzer Zeit sinkt die Innentemperatur in der Box im Vergleich zur Umgebungstemperatur um bis zu zehn Grad Celsius. Das reicht dem Vernehmen nach, um manche Lebensmittel bis zu fünf Tage länger haltbar zu machen.

Allein in Afrika wandert nach Untersuchungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) fast die Hälfte der produzierten Lebensmittel in den Abfall statt auf den Teller. Laut einer Studie des Swedish Institute for Food and Biotechnology (SIK) wird jährlich ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel aus verschiedenen Gründen entsorgt, die Forscher beziffern die Menge auf 1,6 Milliarden Tonnen. Das Gewicht soll bis 2030 sogar auf 2,1 Milliarden Tonnen ansteigen. Ein Grund dafür ist der Mangel an Kühltechnologien; etwa in der Phase nach der Ernte oder eben auf dem Weg vom Verkäufer zum Endkonsumenten wie auf dem Jubilee Market. Durch viele kleine Initiativen, heisst es bei Bosch, könnte diese gigantische Verschwendung eingedämmt werden. Die FreshBox trägt offenbar einen ausgezeichneten Teil dazu bei.
 

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